Historie

Ansprache des Vorsitzenden zum 40jährigen Jubiläum im November 2014

Im Revolutionsjahr 1848 beteiligte sich der Theologe  Johann Hinrich Wichern am Wittenberger Kirchentag, bei dem die kirchliche Einigung in Deutschland im Mittelpunkt stand. Dort warb er bei seiner viertelstündigen Stegreifrede, die mit dem Thesenanschlag Martin Luthers verglichen wurde, für seine Überzeugungen. „Die Liebe gehört mir wie der Glaube. Wie der ganze Christus im lebendigen Gottesworte sich offenbart, so muss er auch in den Gottestaten sich bezeugen“, unterstrich er. 15 Jahre soziale Arbeit (Rauhes Haus)

Am 11. November 1848 kam es zur Gründung des „Central-Ausschusses für Innere Mission“. (EVIM)

9. November 1897: Werthmann gründet den Deutschen Caritasverband
Not sehen und handeln       Ihre Wurzeln hat sie in der Liebe Jesu zu den Menschen.

Katholische Sozialpolitiker, die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts einen katholisch-caritativen Zentralverband forderten, fanden im jungen Priester Lorenz Werthmann die dynamische Persönlichkeit zur Realisierung dieses Zieles. Mit dem im Frühjahr 1895 in Freiburg gebildeten „Charitas-Comité“ bereitete Werthmann die Gründung des „Charitasverbandes für das katholische Deutschland“ vor, die er am 9. November 1897 in Köln vollzog. (77 Jahre)

1974 Gründung Förderverein   // Sondermarke zu 125 Jahre Diakonie (40 Pfennig)

Braucht es heute noch eines diakonischen Vereins, in unserem Fall eines Fördervereins.

Wir glauben, ja. Auch heute sind diese Vereine hilfreich um Verlorene zu suchen, ihnen nachzugehen, Not zu wenden. Sie sind damit nicht nur hilfreich sondern notwendig.

Braucht eine Einrichtung zur häuslichen Pflege, ein Mobiler Pflegedienst heute einen Förderverein?

Nein, das brauchen solche Einrichtungen heute nicht__ mehr. Sie waren wichtig, für viele unabdingbar bei der Gründung der ersten Diakonischen Hauspflegeeinrichtungen, so auch 1974 in Schwalbach und Niederhöchstadt.  20 Jahre lang trugen die Mitgliedsbeiträge und Spenden, Basarerlöse und Tombolas beim Tanz in den Ersten Mai wesentlich zur Refinanzierung der Dienstleistungen dieser Einrichtung bei. Hinzu kamen regelmäßig Öffentliche Mittel der politischen Kommunen und Finanzmittel der Landeskirche.

Vor 20 Jahre, Halbzeit unseres Jubiläums, kam der entscheidende Wandel in der Finanzierung. In Anerkennung der bis dahin nahezu ausschließlich von kirchlichen Einrichtung erbrachten Pflegeleistungen wurde die Notwendigkeit einer Pflegeversicherung politisch erkannt und manifestiert. Damit wurden die Pflegeleistungen materiell abgesichert, die neben der bisher von den Krankenkassen geleisteten Krankenpflege erbracht wurden. Gleichzeitig wurde ein „Marktplatz“ eröffnet, der es vielen Trägern der freien Wohlfahrtspflege und Privaten ermöglichte, jetzt ebenfalls an der  Versorgung der zumeist Alten und kranken Menschen teilzuhaben.

Die Auflösung des bisherigen „Pflegemonopols mit öffentlicher und privater sowie kirchlicher Zuschussfinanzierung (auch unser Förderverein leistete Zuschussfinanzierung) bewegte auch die Diakonieeinrichtungen. So gelang es auch der ÖZ, sich von gern gegebenen Öffentlichen Mitteln und Finanzbeiträgen des Fördervereins frei zu machen. Damit eröffnete sich für den Förderverein ein neuer Horizont.  Sie alle haben mitverfolgt und waren eingeladen, die Öffnung unserer Vereinssatzung  hin zu einer möglichen finanziellen Unterstützung  auch der Kirchengemeinden in Schwalbach und Niederhöchstadt zu diskutieren und darüber ein Votum abzugeben.

Wir sind dankbar, dass die Mitgliederversammlung unserem Vorschlag folgte und kein Mitglied nach der Änderung oder im Vorfeld mit Hinweis auf die erweiterten Möglichkeiten ausgetreten ist.

Wir wollen nicht verschweigen, dass es auch zweifelnde Töne gab, nach über dreißig Jahren einen Wandel zu versuchen. Gottes Segen scheint darauf zu liegen. Sie waren vor 40 Jahren im Gründungsjahr dabei und sind es heute noch immer. Dafür sind wir sehr dankbar. Die aktuellen Projekte sind alle auf Begegnung ausgerichtet und werden angenommen. Eines hat zwischenzeitlich die politischen Weihen erhalten. Die Wahrnehmung von  Menschen mit Demenzerkrankungen auch im kirchengemeindlichen Umfeld und der damit verbundene Aufbau eines Betreuungs- und Begegnungsprojektes hat solch eine Dynamik entwickelt, dass mittlerweile die politische Kommune wesentliche Anteile dieser Arbeit finanziert. Dazu haben auch unsere Mittel, ihre Beiträge, grundlegendes beigetragen.  Es ist erfreulich, wenn Kirchengemeinden aus ihrem Blickfeld heraus anfangen in die sie umgebende politische Gemeinde zu wirken, etwas wagen und Antwort bekommen. Ein Ergebnis der Horizonterweiterung.

Weitblick und Verbundenheit zeigt sich im Namen und Zuschnitt des Vereins und deckungsgleich der ÖZ, die unter vorläufiger oder kommissarischer Geschäftsführung im Jahr 1974 ihre Tätigkeit aufnahm. Weitblick weil der Blick nicht an den Gemeindegrenzen endete sondern auch die Nachbarn fokussierte.  Verbundenheit mit den christlichen Gemeinden in Niederhöchstadt, katholisch grundgelegt wie Schwalbach. So traten drei katholische Pfarreien und drei recht junge evangelische Gemeinden gemeinsam an, der pflegerischen Herausforderung zu begegnen. Ich möchte aus einer Presseveröffentlichung aus der Anfangszeit zitieren (das Datum ist leider nicht mit ausgeschnitten):

Die Limesgemeinde hatte großzügig gebaut und eine leerstehende Küster/Hausmeisterwohnung war die räumliche Brautgabe, damit wohl auch verbunden die rechtliche Trägerschaft der Limesgemeinde für diese Einrichtung.  Von Beginn an engagierten sich katholische und evangelische Gemeindeglieder aus allen sechs Gemeinden im Vorstand unseres Fördervereins. Und bis heute leben wir im Vorstand und im umfangreichen Basargeschehen diese Ökumene ganz praktisch und lebensnah.

Mit der Einladung zu diesem Empfang verbinden wir den Dank an ihr ausdauerndes Engagement mit unserer Neugier, was sie damals ,als 35-45 jährige bewogen hat, einem diakonischen Verein beizutreten von dem sie unmittelbar gar keinen eigenen Nutzen hatten.

Groß war deshalb unsere Freude, als die Rückmeldekarte von Pfarrer Dr. Ulf Häbel im Briefkasten von Frau Reimann landete. Sie ist uns gleich viel wert wie all die Anderen. Mit dieser Freude ist aber die Hoffnung verbunden, dass ein wenig von dem Gründergeist aufscheint, wenn der unter uns ist, der als Hauptamtlicher Identifikation und Motor war und dem es gemeinsam mit Ihnen gelang all das ehrenamtliches Engagement fruchtbringend wirken zu lassen. Wir bitte Sie geradezu in alten Erinnerungen zu schwelgen und sich auszutauschen über die damalige Zeit und uns daran teilhaben zu lassen.

Braucht es heute noch eines diakonischen Vereins, in unserem Fall eines Fördervereins?  Wir glauben, ja. Auch heute sind diese Vereine hilfreich um Verlorene zu suchen, ihnen nachzugehen, Not zu wenden. Sie sind damit nicht nur hilfreich sondern notwendig.

Diakonie-Förderverein feiert 40jähriges Vereinsjubiläum
Zusammen mit der ursprünglichen „Ökumenischen Zentralstation für Kranken-, Alten-, und Familienpflege“ in Schwalbach und Niederhöchstadt wurde 1974 der Förderverein gegründet, der deshalb seinerzeit den dem Namen der Station angepassten Namen trug. Die Gründung des Vereins wurde von der Bevölkerung Schwalbachs und Niederhöchstadts lebhaft begrüßt. In seinen besten Zeiten hatte der Verein mehr als 1.200 Fördermitglieder. Die aktuelle Mitgliederzahl beträgt 560.

Auch im Jahr 2014 sind noch mehr als 40 Gründungsmitglieder aktiv an der Unterstützung des Vereins beteiligt. Zu diesen Unterstützern gehören unter anderen der ehemalige Pfarrer der Limesgemeinde Ulf Häbel, Traudel Schleich, das Ehepaar Glameyer, der langjährige ehrenamtliche Geschäftsführer der Diakoniestation Dr. Dietrich Roßberg, der in den Jahren 1991 bis 2002 auch Vorsitzender des Fördervereins war oder der Schwalbacher Lehrer und Schulrektor Bernhard Albinger. Um Allen an dieser Stelle mit der Nennung ihres Namens Dank für die langjährige Treue auszusprechen fehlt der Platz. Dies wird im persönlichen Gespräch  in einer kleinen Feierstunde am 15. November im Anschluss an einen ökumenischen Gottesdienst stattfinden.

Die finanziellen Zuschüsse des Fördervereins aus Förderbeiträgen und dem Erlös des unter seiner Regie von den beteiligten Kirchengemeinden und freien Gruppen ausgestalteten „Bastelbasar“ zum Haushalt der Station waren von Anfang an sehr wichtige Beiträge.
Mit Einführung der Pflegeversicherung wurde die Refinanzierung der zu erbringenden Pflegeleistungen über die reine häusliche Krankenversorgung hinaus detailliert geregelt. Diese abrechenbaren Leistungen beziehen sich ausschließlich auf medizinische und pflegerische, d.h. praktische oder technische Leistungen. Der Bedarf kranker, alter und einsamer Menschen an menschlicher Zuwendung oder sogar Seelsorge bleibt hierbei unberücksichtigt. Deshalb hat der Förderverein Wert darauf gelegt, seine Mittel vor allem diesem Ziele dienen zu lassen; er bezeichnet diese Leistung als den sog. „Diakonischen Mehrwert“.

Der Förderverein setzt seine Mittel gezielt für Projekte ein, die zwischenmenschliche Begegnung am Krankenbett oder aber in den Kirchengemeinden in Schwalbach und Niederhöchstadt zum Inhalt haben und die nicht durch kommunale Mittel oder abrechenbare Leitungen gegenüber den Krankenkassen und Pflegeversicherungen gedeckt werden können.  

Der „Engel auf Rädern“ im Patientenkreis der Diakoniestation, das Projekt “ Weihnachten nicht allein“ der Katholischen Kirchengemeinde Schwalbach am Taunus oder der Aufbau der Demenzarbeit in der Evangelischen Andreasgemeinde stehen exemplarisch für diesen Anspruch und den Einsatz der Beiträge und Spenden des Vereins. Begegnung bei regelmäßigen wöchentlichen Mittagstischangeboten sowie die zusätzliche Öffnung eines Seniorencafés in den Räumen von Kirchengemeinden zählen ebenfalls zu den unterstützten Projekten.   

Im Jubiläumsjahr freuen wir  uns auf unseren 40. Basar am Sonntag, den 16.November ab 09:00 Uhr im Bürgerhaus Schwalbach am Taunus.

Am Samstag, den 15. November findet um 18:00 Uhr ein Ökumenischer Festgottesdienst aus Anlass des Vereinsjubiläums und des 40. Gründungsjahres der Diakoniestation in der Katholischen Kirche St. Pankratius in Schwalbach am Taunus statt.
Eine, wie wir finden gelungene Verbindung von Wort und Tat im christlichen Sinne. Zu  beiden Veranstaltungen laden wir Sie herzlich ein.

Gut erhaltene Textilien für Erwachsene (der Jahreszeit entsprechend gern Herbst- oder Winterbekleidung) sowie Spenden für den Floh- und Büchermarkt. können in den Gemeindehäusern St. Pankratius, der Limesgemeinde und der Friedenskirche in Schwalbach am Taunus und der Andreasgemeinde und der Nikolausgemeinde in Niederhöchstadt  am Donnerstag, den 13.11.2014 abgegeben werden.

Im Voraus bereits ein herzliches „Vergelts Gott“ für Ihre Spenden und tatkräftige Unterstützung. Aus dem Erlös des diesjährigen Basars spendet der  Förderverein der Diakoniestation ein „Jubiläumsauto“.

Engel weiter unterwegs

„Der Herr hat seinen Engeln befohlen, dass sie Dich behüten auf allen Deinen Wegen“, mit diesem Psalmwort segnete und verabschiedete Pfarrerin Gengenbach Cleide Bihr aus ihrem Dienst im „Engel auf Räder“ Projekt.

Ein herzliches Dankeschön für ihren Einsatz sagt auch der Förderverein, der das Projekt initiiert hat und seit 6 Jahren finanziert. Cleide Bihr beendete zum 30.09.2014 ihre Mitarbeit in diesem Projekt um in Berlin ein Studium aufzunehmen. Sie wurde gemeinsam mit ihrem in Berlin wohnhaften Lebensgefährten in einem Gottesdienst in der Limesgemeinde am 07. September verabschiedet. Frau Bihr hielt die Predigt und zeigte darin auf, dass eine Kirchengemeinde nicht nur aus Hauptamtlichen besteht sondern das alle Gemeindeglieder im übertragenen Sinn „zum Bauen an diesem Haus Gottes“ aufgerufen sind.

Der Förderverein ist froh, dass die Fortsetzung des Projektes „Engel auf Rädern“ ohne Unterbrechung gesichert ist. Mit der Andreasgemeinde in Niederhöchstadt hat er einen kompetenten Partner gefunden, der das Projekt nach dem Ausscheiden von Frau Bihr ausgestaltet. Ausschlaggebend für die Wahl der Andreasgemeinde als Träger des Projektes ist der große und gut geführte Bereich der Senioren- und Demenzbetreuung, in welchem haupt-und ehrenamtliches Engagement Hand in Hand geht, ganz im Sinne der Predigt von Cleide Bihr.

Mit der Zusammenarbeit soll versucht werden, durch den Einsatz auch von ehrenamtlichen, qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Betreuungszeiten im Projekt zu intensivieren und eine Vernetzung mit den kirchengemeindlichen Besuchsdiensten zu erreichen.

Der Förderverein hat auf Antrag der Andreasgemeinde vor drei Jahren die finanzielle Unterstützung für den Aufbau der Demenzbetreuung beschlossen. Die hierbei gemachten positiven Erfahrungen sollen jetzt auch dem Projekt „Engel auf Rädern“ zugutekommen. Die Andreasgemeinde übernimmt ab dem 01. Oktober 2014 für zunächst drei Jahre die Verantwortung für das Besuchsdienstprojekt. Die Betreuung der bisherigen Patienten der Diakoniestation durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Andreasgemeinde ist sicher gestellt.